Platzhirsch-Festival am 18. & 19. September 2026
Eintritt frei, drinnen & draußen

Festival & Konzerte

Joy Boy: A Tribute to Julius Eastman

Eine Hommage an Julius Eastman (1940–1980), afroamerikanischer Pianist, Komponist, homosexuell, legendär sein Bariton, seine Bühnenpräsenz, in Armut gestorben. 1979 schrieb er „Evil Nigger“ und „Gay Guerrilla“ für Klavierquartett. JOY BOY ist eine konzertante Aufführung seiner Musik und seiner O-Töne, alternierend – visualisiert von einem transnationalen sechsköpfigen Kollektiv in vier Kapiteln. Musik und Bild autonom. Die Kompositionen zeigen sein Können, die Texte seine Haltung. Entzündet an Kolonial- und Lebensgeschichte, rau, radikal und glasklar schleudert er die Worte regelrecht heraus (auch das N*Wort – jenseits aller möglichen, notwendigen Triggerwarnungen), er kotzt sich aus, wird nachdenklich, schweigsam. Die Regisseur*innen agieren aus einem breiten Spektrum theoretischer und künstlerischer Praktiken – Film, Performance, Tanz; Textil, Archiv, Recherche – in komplexer Kollaboration, eigenständig und kollektiv, solidarisch mit Eastman und miteinander. Ein Film, der politisch knallt und wunderschön zugleich ist, besonders die Berührung von Körper, Farben und Rhythmen oder die Choreographie der Gay Guerilla entlang der Schnellstraße, Raum nehmend, bedrohlich, verwundbar, stark. (Christiane Büchner)

RegieMawena Yehouessi, Fallon Mayanja, Rob Jacobs, Victoire Karera Kampire, Paul Shemisi, Anne Reijniers
MusikJulius Eastman
Produzent*innenMawena Yehouessi, Fallon Mayanja, Rob Jacobs, Victoire Karera Kampire, Paul Shemisi, Anne Reijniers
Länge64min
SpracheEnglisch

Mawena Yehouessi ist Kuratorin, Forscherin und Künstlerin. Inspiriert von Afrofuturismus und Black Studies wurde sie Mitbegründerin des Kollektivs Black(s) to the Future (2015) und arbeitet am liebsten im Team. Derzeit schließt sie ihre Doktorarbeit über Collagen an der Villa Arson/Université Côte d’Azur ab. Ihre Praxis reicht von Ausstellungen bis zum Filmemachen, über kritisches Schreiben und Spoken Poetry, Übersetzung und zeitgenössischem Tanz. Sie hat mit Spectre Productions, HEAD – Genève, der Black Portraitures III Conference und vielen weiteren Menschen und Orten zusammengearbeitet.

Fallon Mayanja ist Klangkünstler*in, Komponist*in sowie Performer*in, und beschäftigt sich mit Stimme, elektronischer Musik und spekulativer Erzählung. Als Absolvent*in der Kunsthochschule Lissabon mit einem Post-Diplom in Klangkunst und einem Master-Abschluss vom INA GRM wurzelt Fallons Arbeit in der Live-Performance. Fallon setzt das Hören als politische und relationale Praxis in den Fokus, in der Klang, Technologie und Umwelt als miteinander verbundene Medien des Austauschs fungieren. Neben der künstlerischen Tätigkeit entwickelt Fallon auch pädagogische Projekte zu diesen Schwerpunkten.

Rob Jacobs (he/they) ist Filmemacher und Organisator, der Filmemachen als eine Form des Dialogs versteht. Zusammen mit Paul Shemisi, Anne Reijniers und Nizar Saleh gründete er Collectif Faire-Part, ein belgisch-kongolesisches Filmensemble, in dem er primär als Cutter tätig ist. Rob hat Psychologie studiert und interessiert sich nach wie vor für die Schnittstelle zwischen Wohlbefinden und kreativer Praxis. Nachdem er Erfahrungen in der Arbeit mit Gymnasiasten zu Männlichkeit und gewaltfreier Kommunikation gesammelt hat, absolviert er derzeit eine Ausbildung zum Gruppentherapeuten und Moderator.

Victoire Karera Kampire (1990) ist eine ruandisch-belgische Regisseurin und Sounddesignerin. Sie hat einen Master-Abschluss in Neuen Medien und Gesellschaft (VUB) und ist Absolventin der LUCA School of Arts im Bereich audiovisuelle Künste. Im Zentrum ihres künstlerischen Schaffens steht der Begriff der Abwesenheit, ihre Filme – Orte halluzinierter Archive und dokumentarisch-fiktionaler Experimente – sind von geisterhaften Präsenzen durchdrungen. Sie erstellt auch Multi-Screen-Videowerke für Theater und Ausstellungsräume. 2024/25 ist sie assoziierte Künstlerin der Beursschouwburg (Brüssel).

Paul Shemisi ist ein kongolesischer Filmemacher, Kameramann und interdisziplinärer Künstler, der sich mit Dokumentarfilm, visueller Kultur und sozialem Engagement beschäftigt. Er war Kameraassistent für internationale Filmteams in Kinshasa und absolvierte anschließend eine Ausbildung bei Les Ateliers Action (INSAS). Seine Arbeit umfasst auch Fotografie und Rap-Musik. Zusammen mit Nizar Saleh gründete er die Produktionsfirma Kimpavita Film, die unabhängige Kino- und Bildprojekte in der Demokratischen Republik Kongo und darüber hinaus fördert. Er ist Gründungsmitglied von Collectif Faire-Part.

Anne Reijniers ist eine belgische Filmemacherin, Kuratorin und Landwirtin. In ihrer künstlerischen Praxis beschäftigt sie sich mit kollektivem Filmemachen, Dekolonialisierung, antikapitalistischem Gärtnern und langsamen Formen des Widerstands, die auf Fürsorge basieren. Sie ist Mitbegründerin des belgisch-kongolesischen Filmensembles Collectif Faire-Part, mit dem sie kollaborative Filmprojekte entwickelt, die auf gemeinsamer Geschichte und politischem Engagement basieren. Neben ihrer Filmarbeit innerhalb des Collectif Faire-Part entwickelt Anne Filmprojekte zu ökologischen Praktiken.

Regie Mawena Yehouessi, Fallon Mayanja, Rob Jacobs, Victoire Karera Kampire, Paul Shemisi, Anne Reijniers. Musik Julius Eastman. Produzent*innen Mawena Yehouessi, Fallon Mayanja, Rob Jacobs, Victoire Karera Kampire, Paul Shemisi, Anne Reijniers.